Die Entstehung der Achate

Was ist Achat in mineralogisch-chemischem Sinn? Ganz einfach: Quarz. Wie der Bergkristall. Chemisch: Siliziumdioxyd, Si O2 . Doch im Gegensatz zum Bergkristall zeigt er keine Kristallflächen, jedenfalls nicht bei der Betrachtung mit bloßem Auge.
Der Achat ist kryptokristallin, deshalb wird er auch als Chalcedon bezeichnet. Er besteht aus sogenannten "Phänofasern", d.h. Scheinfasern. Unter dem Rasterelektronenmikroskop bei 40 000 facher Vergrößerung erkennt man auch hier Quarzkristalle.

Achat aus Rio Grande do Sul, Brasilien

Festungsachat, Uruquay-Bänder, Wolken-Achat 18,0 x 16, 0 cm

Die Frage der Entstehung der Achate, das Phänomen der feinen Bänderung beschäftigt Wissenschaftler seit der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts. Es beinhaltet im Grunde zwei Probleme:
a) Woher stammt das Siliciumdioxyd das die Achate aufbaut?
Insbesondere bei Vulkanit-Achaten, deren Basalte und Andesite als Muttergestein recht arm an Siliciumdioxyd sind. Oder bei Achaten in Sedimenten, wie z.B. Teepee Canyon, South Dakota oder Dryhead Canyon, Montana.
b) Wie kommt es zur Bänderung, zur inneren Struktur der Achate?

Autobahnbau Freisen - Membrantrümmerachat

10,0 x 10,5 cm

Ich zitiere hier eine stark vereinfachte Darstellung des heutigen Wissenstandes. Zur Vertiefung verweise ich auf die angegebene Literatur.

Wenig Probleme in bezug auf die Herkunft des Siliciumdioxyds bereiten Achate in rhyolithischer Matrix (z.B. Achate aus St.Egidien, Sachsen oder die Thunder Eggs aus Oregon). Rhyolithe sind siliziumreiche, granitische Asche-Tuffe. Diese sind in geschmolzenem Zustand sehr zäh und bilden oft sternförmige Hohlräume. In den dünnflüssigen Magmen der Basalte und Andesite sind mandelförmige oder gerundete Hohlräume die Regel. Hier geht man davon aus, dass diese dünnflüssigen Magmen von rhyolithischen Aschen bedeckt waren und deren Verwitterungsprodukte für das notwendige Siliziumdioxyd gesorgt haben.
Auch bei Achaten in Sedimenten geht man von der Abdeckung durch vulkanische Aschen aus. Durch die Luftströmung können diese weit entfernt von der vulkanischen Tätigkeit abgelagert werden. Es wird jedoch auch organischer Ursprung (Schwämme, Radiolarien) diskutiert.

Faszinierend ist die Bänderung der Achate. Ein Vergleich mit den Jahresringen bei Bäumen ist naheliegend. Einem verbreiteten Erklärungsversuch zufolge fließen silciumdioxydhaltige Lösungen in VON AUSSEN AUFGEPRÄGTEN RHYTHMEN (z.B. jahreszeitlich bedingtes Steigen und Fallen des Grundwassers) in die Gesteinshohlräume und hinterlassen eine Siliciumdioxyd-Tapete an den Wänden. Diese Theorie ist einfach zu widerlegen, denn im Muttergestein nahe beieinander liegende Achate müssten gleiche oder sehr ähnliche Bandstruktur aufweisen. Die Fundsituation zeigt jedoch sehr große Unterschiede in der Ausfüllung benachbarter Hohlräume. Der eine ist voll achatisiert, der andere hohl, ein anderer mit Calcit, der nächste mit Quarzkristallen ausgekleidet.

Im Jahre 1896 beobachtete der Kolloid-Chemiker Liesegang bei photochemischen Experimenten mit Silbernitratlösung und Kaliumdichromat auf Gelatinegallertschichten die Entwicklung konzentrischer Silberchromat-Bänder die auffällig an Achatbänderung erinnerten. Damit war gezeigt, dass solche Strukturen auch durch INNERE RHYTHMEN gebildet werden können. Das Auffinden von Liesegang-Ringen in Achaten ist somit auch ein Beweis, dass das Siliziumdioxyd im Achat als gelartige Substanz vor der Reifung des Achates vorgelegen haben muss (Kieselsäure-Gel d.h. Siliziumdioxyd-Gel ist als Wasserglas bekannt). Weitere Beweise für eine gelartige , d.h. verformbare Vorstufe der Achatbildung sind Deformationsstrukturen wie bei dem hier gezeigten roten Achat vom Steinbruch Juchem.

Steinbruch Juchem - Deformationsstrukturen - 13,0 x 8,0 cm

Folgende Postulate sind das Ergebnis neuerer Achatentstehungsforschung:
1) Achate sind grundsätzlich sekundäre Füllungen von Gesteinshohlräumen.
2) Achate in Vulkaniten sind keine vulkanischen Produkte, sondern späte Bildungen in erkalteten Laven.
3) Achate entstehen ausschließlich im sogenannten "sedimentär-diagenetischen Druck-Temperatur-Bereich", dessen T-Obergrenze bei ca. 180-200 °C liegt. Sie bilden sich in vielen Fällen bei Temperaturen deutlich unter 180 °C.
4) Die Achatsubstanz - hauptsächlich Siliziumdioxyd - kann nur mittels wässriger Lösungen zum Achatbildungsort, d.h. in den Gesteinshohlraum transportiert worden sein.
5) Die Lösung muss eine relativ hohe Dichte (nahe 1g/cm³) besessen haben. Das heißt: gesättigter oder gar überhitzter Wasserdampf sind auszuschließen.
6) Die einzelnen Achatschichten kleiden die Hohlräume nicht gleichmäßig aus. Sie setzen sich aus konzentrisch gebänderten Sphärolithen zusammen. Deren Zahl und Abstand bestimmen das Erscheinungsbild der Bänderung. Siehe abgebildeten Achat von Finkenberg.

Finkenberg, Stadtteil von Idar-Oberstein

Sphärolithe beeinflussen die Bänderung - Breite: 2,2 cm

7) In dem die Achate unmittelbar umschließenden Gestein sind in vielen Fällen keine Zufuhrwege zu den Achaten vorhanden, die für ein Hin- und Herfließen der Lösungen breit genug wären. Im Achatnebengestein sind oft nur allerfeinste Kapillaren vorhanden, die sich beim Kontakt mit wässriger Lösung füllen und diese Lösung dann durch Kapillarkräfte festhalten.
Zitiert nach: Michael Landmesser, Selbstorganisation und Achatgenese, in: Selbstorganisation, Band 11 (2000), S.94-98

Nun ist die Frage zu lösen, wie das Siliziumdioxyd durch die Kapillarverbindungen in den zu bildenden Achat gelangt. Will man 1 kg Quarz in Wasser lösen, so werden hierfür 1.666.667 Liter benötigt, diese Zahl wird noch größer, wenn man bedenkt, dass jeweils nur ein kleiner Teil der Lösungsmenge im Hohlraum abgesetzt wird. Das Zu- und Abfließen von Lösungen kann allein also nicht zur Achatbildung führen.
Die Anreicherung an Siliziumdioxyd erfolgt durch Diffusion. An sich ein Widerspruch, da Diffusionskräfte in der Richtung des Ausgleichs von Konzentrationsunterschieden wirken. Betrachtet man jedoch die unterschiedlichen Reifungsstadien von Quarz im Temperaturbereich von 0 bis 180 °C, so findet man eine Erklärung.
a) amorphes SiO2: ein Netzwerk aus Silizium- und Sauerstoff-Atomen bei dem keine Fernordnung der Atome vorhanden ist (röntgenamorph)
b) Opal-CT: Im Kristallgitter ist das Siliziumdioxyd teilweise wie die Quarzvarietät Christobalit, teils wie die Quarzvarietät Tridymit geordnet. Es entsteht ein dreidimensional vernetzter, kristallähnlicher Festkörper. Ein eindimensional fehlgeordnetes Gitter. Opal-CT ist in einigen Achaten, z.B. aus Kasachstan nachweisbar und sichtbar.

Achat in Opal, Abessinien - 3,5 x 3,3 cm


c) Quarz: Zu dieser Modifikation zählt auch der kryptokristalline Chalcedon.
Dies ist ein Reifungsprozess der von a nach b nach c verläuft. Er kann sich über viele Millionen Jahre hinziehen. Die angesprochenen Deformationsstrukturen, sowie die Liesegang-Ringe sind Beweise, dass der Achat in einem frühen Stadium als amorphes SiO2 vorgelegen hat.

Ackerfund von Hoppstädten-Weiersbach - Liesegang-Ringe

Ausschnitt: 2,0 x 2,0 cm

Über jedem SiO2 -Bodenkörper stellt sich zur gesättigten SiO2-Lösung ein dynamisches Lösungs-Ausfällungs-Gleichgewicht ein. Je reifer ein SiO2-Bodenkörper ist, desto geringer ist die Konzentration der gesättigten SiO2-Lösung. So erklärt sich, dass durch Diffusion ein Transport von a nach b nach c erfolgt. Dies geschieht im ruhenden Porenlösungsnetz. Siliciumdioxyd-arme Achatbereiche werden gleichmäßig versorgt, feinste Poren werden so nach und nach gefüllt. Es kommt zu Durchkieselung, zum voll entwickelten, kryptokristallinem Chalcedon. Diese INNEREN RHYTHMEN sind ein Phänomen der SELBSTORGANISATION. Antriebskraft ist das Bestreben ein thermodynamisches Gleichgewicht zu erreichen.
Wie kommt die unterschiedliche Färbung der Bänderung zustande? Für die Farbe sind Fremdionen bzw. Fremdmoleküle verantwortlich. Hauptsächlich Eisenoxyde oder-hydroxyde in unterschiedlichen chemischen Wertigkeiten und Korngrößen. Das amorphe Kieselsäure-Gel wirkt als Filter, der bestimmte Molekülgrößen abfängt. Die Änderung der Farbe in Achat- bzw. Bandabschnitten ist immer ein sekundärer Prozess, das chemische Umgebungsmilieu verschiebt sich zur oxidierenden oder reduzierenden Seite.

Zu diesem Thema empfehle ich folgende Literatur:

© Rainer Hoffmann-Rothe